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Waterfall erklärt: So werden Gewinne verteilt

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Bei alternativen Investmentfonds—Private Equity, Venture Capital, Immobilienvehikel—ist die Auswahl guter Investments nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist die Frage: Wie werden Gewinne verteilt, sobald der Fonds Ausschüttungen macht?

Genau dafür gibt es die Distribution Waterfall (deutsch oft „Ausschüttungskaskade“). Das ist ein Stufensystem, das festlegt, wer zuerst bekommt, wann und wie viel: Investoren (Limited Partners / LPs) und die Managementgesellschaft (General Partner / GP) in einer klar definierten Reihenfolge.

Ziel ist ein Ausgleich zwischen Kapitalrückfluss, Vergütung für Risiko und sinnvollen Anreizen für gute Performance.

Was ist eine Ausschüttungskaskade (Waterfall)?

Die Ausschüttungskaskade ist die finanzielle Logik, nach der ein Fonds Gewinne verteilt. Der Hauptzweck: LPs sollen zuerst ihr eingezahltes Kapital zurückbekommen und häufig zusätzlich eine Mindestverzinsung (Preferred Return / Hurdle), bevor der GP über Performance Fees profitiert.

Typischerweise gibt es zwei Modelle:

  • Europäische Waterfall (Whole Fund): Berechnung auf Basis der Gesamtperformance des Fonds. In Europa sehr verbreitet.
  • Amerikanische Waterfall (Deal-by-Deal): Ausschüttung pro Investment/Deal. Häufig in den USA.

Die vier typischen Stufen

Details variieren, aber viele Strukturen folgen diesen Ebenen.

1️⃣ Return of Capital — Kapitalrückzahlung

Zuerst erhalten die LPs ihr eingezahltes Kapital zurück. In dieser Stufe gehen in der Regel 100% der Ausschüttungen an die Investoren (anteilig nach Beteiligung).

Damit wird das Anfangsrisiko des Investors abgesichert, bevor variable Incentives greifen.

2️⃣ Hurdle Rate — Mindestverzinsung (Preferred Return)

Nach der Kapitalrückzahlung erhalten LPs oft eine Mindestverzinsung (Hurdle). Sie kompensiert Opportunitätskosten und Risiko.

Beispiele:

  • Ein konservativer Immobilienfonds kann 4% p. a. ansetzen.
  • Ein Venture-Capital-Fonds eher 8% p. a. oder mehr.

Bis diese Hürde erreicht ist, fließen Ausschüttungen häufig weiter voll an die LPs.

3️⃣ Catch-Up — Aufholphase des GPs

Wenn die Hurdle erfüllt ist, folgt oft eine Catch-up-Phase. Hier kann der GP einen Großteil (manchmal 100% vorübergehend) der Ausschüttungen erhalten, bis sein Anteil dem vereinbarten Erfolgsanteil entspricht.

Beispiel: Bei 20% Carried Interest kann der GP so lange bevorzugt Ausschüttungen bekommen, bis sein kumulierter Anteil 20% erreicht.

Nicht jeder Fonds nutzt Catch-up, aber im Private-Equity- und VC-Bereich ist es häufig, um Anreize zu synchronisieren.

4️⃣ Carried Interest — Erfolgsbeteiligung

Danach werden die verbleibenden Gewinne gemäß dem vereinbarten Profit Split verteilt. Klassisch:

  • 80% an LPs
  • 20% an GP

Diese 20% sind der Carried Interest (performanceabhängige Vergütung). Je nach Fonds, Risiko und Track Record liegen Bandbreiten grob zwischen 5% und 25%.

Europäische vs. amerikanische Waterfall

ModellBerechnungsbasisWer bekommt zuerstVorteilRisiko
Europa (Whole Fund)Gesamtperformance des FondsLPsVollständige Rückführung vor Carry-ZahlungSpätere GP-Incentives
USA (Deal-by-Deal)Ergebnis je DealGP (früher)Schnellere Carry-Zahlung möglichCarry vor Gesamtresultat möglich

Beim europäischen Modell erhält der GP typischerweise erst Carry, wenn LPs Kapital plus Preferred Return zurückbekommen haben. Beim Deal-by-Deal-Modell kann der GP früher verdienen, oft mit Clawback-Klauseln: Wenn die Gesamtperformance später nicht reicht, muss der GP Teile des Carry zurückzahlen.

Der Kernpunkt

Die Waterfall ist das Herzstück der Beziehung zwischen Investoren und Manager. Eine klare, faire und transparente Struktur reduziert Konflikte, stärkt Vertrauen und verhindert böse Überraschungen bei Ausschüttungen.

Bei Ayram.es ist das kein „juristisches Detail“, sondern Strategie. Ein gut konzipierter Fonds liefert nicht nur Rendite—er baut stabile, langfristige Beziehungen zwischen Kapital und Management.