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EBITDA erklärt: Was jeder Investor wissen sollte

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Es gibt ein Wort, das in Finanzberichten, Analystencalls und Ergebnispräsentationen ständig auftaucht: EBITDA.

Für viele Investoren ist es der Einstiegspunkt, um zu prüfen, ob ein Unternehmen wirklich Geld verdient – oder nur „Gewinne auf dem Papier“ ausweist. Und trotzdem gehört es zu den am häufigsten missverstandenen Kennzahlen: Die einen setzen es mit Gewinn gleich, die anderen halten es für eine „geschönte“ Zahl, die Realität kaschiert.

In diesem Artikel erkläre ich, was EBITDA ist, wie man es berechnet, was es tatsächlich über die Gesundheit eines Unternehmens aussagt – und wie ein Investor mit Anspruch es einordnet.

Was EBITDA bedeutet

EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization – also Ergebnis vor Zinsen, Steuern sowie Abschreibungen und Amortisationen.

Im Kern misst EBITDA die operative Leistungsfähigkeit bevor Finanzierung, Steuern und nicht zahlungswirksame Buchungseffekte das Bild verzerren.

Einfach gesagt: EBITDA zeigt, was das Unternehmen mit seinem Kerngeschäft verdient, ohne zu berücksichtigen, wie es finanziert ist oder welche Buchungskosten keine unmittelbare Auszahlung auslösen.

Die Logik hinter EBITDA

Stell dir zwei Unternehmen im gleichen Sektor vor:

  • Das eine finanziert sich primär über Fremdkapital, das andere über Eigenkapital.
  • Sie zahlen unterschiedliche Steuern.
  • Ihre Anlagen sind unterschiedlich alt (also mit unterschiedlicher Abschreibung).

Wenn du nur den Jahresüberschuss anschaust, ist ein fairer Vergleich schwieriger, weil Finanzierungs- und Bilanzierungseffekte die Sicht verzerren.

EBITDA versucht, die Operation zu isolieren: was das Geschäft aus dem Betrieb heraus erzeugt – unabhängig von Finanzierungsstruktur und bestimmten Bilanzierungseffekten.

Wie man EBITDA berechnet

Mit der GuV ist EBITDA relativ direkt. Übliche, äquivalente Wege:

1) Vom Jahresüberschuss ausgehend

EBITDA = Jahresüberschuss + Zinsen + Steuern + Abschreibungen + Amortisationen

2) Vom operativen Ergebnis (EBIT) ausgehend

EBITDA = EBIT + Abschreibungen + Amortisationen

Manchmal findest du es auch als:

EBITDA = Betriebserträge − operative Aufwendungen (ohne D&A)

Die Idee ist immer gleich: „reine“ operative Profitabilität näherungsweise abzubilden.

Warum EBITDA bei Investoren so beliebt ist

EBITDA ist Standard geworden, weil es:

  • Vergleiche erleichtert. Weniger Verzerrung durch Steuern und Finanzierung.
  • operative Effizienz sichtbar macht.
  • eine grobe Näherung für Cash-Potenzial liefert. Nicht Cashflow, aber ein Hinweis.
  • für Bewertungen genutzt wird. Multiples wie EV/EBITDA sind in M&A verbreitet.

Kurz: schnell, vergleichbar, operativ fokussiert.

Was EBITDA zeigt (und was es ausblendet)

EBITDA ist nützlich, hat aber Grenzen.

Was es zeigt

  • Effizienz des Kerngeschäfts.
  • Fähigkeit, operatives Ergebnis zu erzeugen.
  • Potenzial zur Cash-Generierung vor Steuern und Finanzierung.

Was es ausblendet

  • den realen Aufwand für Erhalt/Erneuerung von Anlagen (Capex).
  • Zinslast (kritisch bei hoher Verschuldung).
  • Steuern.
  • Working-Capital-Bedarf (Lager, Forderungen, Verbindlichkeiten).

EBITDA zeigt Muskel, nicht Verschleiß. Wie die Leistung eines Autos ohne Wartung und Sprit.

Praxisbeispiel: gleiches EBITDA, andere Realität

Zwei Restaurants haben jeweils ein EBITDA von 100.000 €. Auf den ersten Blick: gleich profitabel.

Aber Restaurant A muss jedes Jahr Geräte ersetzen (30.000 €), Restaurant B kaum. Rechnet man diese Reinvestition ein, ist die wirtschaftliche Realität sehr unterschiedlich.

Darum kombinieren gute Investoren EBITDA mit Cashflow- und Reinvestitionskennzahlen.

EBITDA vs. EBIT vs. Jahresüberschuss

Oft verwechselt – aber mit unterschiedlichem Fokus:

KennzahlBedeutungWas gemessen wirdWofür es gut ist
EBITDAErgebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen & Amortisationen„reine“ operative ProfitabilitätVergleich operativer Effizienz
EBITErgebnis vor Zinsen & SteuernErgebnis nach Abschreibungen/AmortisationenAnlagenintensität verstehen
JahresüberschussErgebnis nach allen Aufwänden & SteuernBilanzgewinn für AnteilseignerBottom-Line-Betrachtung

Warum manche Investoren EBITDA kritisch sehen

EBITDA hat Kritiker – Warren Buffett wird oft zitiert – weil es ohne Kontext irreführend sein kann.

Der Kern: Wer über EBITDA spricht, aber Capex ignoriert, erzählt dir womöglich nur die halbe Geschichte.

Hohes EBITDA kann mit hohem Reinvestitionsbedarf einhergehen – dann ist der echte Free Cashflow deutlich niedriger.

EBITDA ersetzt Cashflow-Analyse nicht. Es ergänzt sie.

EV/EBITDA als Bewertungsinstrument

Ein verbreiteter Einsatz ist das Multiple EV/EBITDA:

  • EV (Enterprise Value) ≈ Marktkapitalisierung + Nettoverschuldung − Cash
  • EV/EBITDA zeigt, wie viele „EBITDA-Jahre“ der Markt bezahlt

Beispiel:

EV = 10 Mio., EBITDA = 2 Mio.

EV/EBITDA = 10 / 2 = 5x

Niedrig kann Chance oder Risiko bedeuten. Hoch kann Wachstumserwartung (oder Übertreibung) spiegeln. Am sinnvollsten: Vergleich mit Peers im gleichen Sektor.

Wie ein Investor EBITDA interpretiert

Ein guter Investor betrachtet drei Dimensionen:

Trend

Wichtiger als der absolute Wert ist die Richtung: wächst, stagniert oder fällt EBITDA?

EBITDA-Marge

EBITDA-Marge = (EBITDA / Umsatz) × 100

Sehr nützlich zum Vergleich innerhalb eines Sektors.

Qualität des EBITDA

  • Kommt es aus wiederkehrendem Geschäft oder Einmal-Effekten?
  • Gibt es „Sondereffekte“ jedes Jahr?
  • Wie verhält sich operativer Cashflow (CFO) im Verhältnis zum EBITDA?

Häufige Fehler mit EBITDA

  • EBITDA mit Cashflow verwechseln.
  • Ohne Branchenvergleich interpretieren.
  • Einmaliges nicht bereinigen – oder zu viel „bereinigen“.
  • Verschuldung ignorieren.
  • Wachstum mit Qualität verwechseln.

Adjusted EBITDA

Viele Unternehmen zeigen Adjusted EBITDA und schließen z. B. aus:

  • Abfindungen oder Rechtsstreitkosten.
  • Restrukturierungskosten.
  • außergewöhnliche Investitionen.
  • Währungseffekte.

Kann sinnvoll sein, aber Vorsicht: zu viele Adjustments über Jahre können ein Warnsignal sein.

EBITDA für KMU: auch als Steuerungsgröße

EBITDA ist nicht nur für Konzerne. Für KMU kann es praktisch sein:

  • Eine Werkstatt sieht, ob das Kerngeschäft profitabel ist, bevor Zinsen und Steuern wirken.
  • Ein Bildungsanbieter kann die operative Ertragskraft ohne Finanzierungsrauschen prüfen.

Bei Verkauf, Investment oder Bewertung ist EBITDA oft eine Referenzgröße.

Stark – aber nicht unfehlbar

EBITDA ist hilfreich, wenn du es richtig einordnest und mit anderen Kennzahlen kombinierst.

Gut genutzt hilft es:

  • Unternehmen fairer zu vergleichen.
  • echte operative Verbesserungen zu erkennen.
  • Bewertungen auf eine klarere Basis zu stellen.

Schlecht genutzt wird es zur Buchhaltungsillusion.

Ein Investor mit Verstand fragt immer:

  • Was steckt hinter diesem EBITDA?
  • Wie viel echte Cash generiert das?
  • Welche Risiken werden dafür eingegangen?

Beim Investieren ist Klarheit mehr wert als Begeisterung.